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Dr. Brigitte Baumstark

Kunstsammlung Städtische Kunstgalerie
Karlsruhe 2002

Der Einsatz eines Farbakkords als Stilmittel ist auch ein
wesentliches Prinzip ihrer Landschaftsbilder. Denn auch
hier geht es nicht um die bloße Wiedergabe des Gesehenen.
Stattdessen ist die Landschaft Anlass für die Malerei.


Gelb, tiefdunkles Blau und Weiß sind die Grundtöne, in
denen Bettina Kresslein die malerischen Strukturen für
die von Menschenhand kultivierten Weinberge, die Ackerflächen
und die Waldgebiete anlegt. Wege führen den
Blick des Betrachters in die Tiefe der Komposition. Um die
Spannung zu erhöhen, verstellt die Künstlerin immer wieder
den Vordergrund, so dass sich der Ausblick in die Weite
erst auf den zweiten Blick ergibt. Ist die Landschaft zunächst
durch die Vegetation charakterisiert, lässt sie
sich auf manchen Arbeiten durch charakteristische Landschaftsmerkmale
für den Kenner eindeutig bestimmen.
Im weitesten Sinne kann man auch diese Landschaften
Bettina Kressleins Themenschwerpunkt „Essen und Trinken“
zuordnen, denn die Künstlerin malt eine fruchtbare Landschaft,
in der die Pflanzen, aus denen Speisen und Getränke
zubereitet werden, üppig wachsen. Der Mensch ist im Bild
nicht als Figur anwesend, sondern nur indirekt als Gestalter
dieser Kulturlandschaft. Und er ist der Betrachter, der
außerhalb der Szene steht und über die Rebstöcke im Vordergrund
hinweg in die weite Landschaft schaut.

Bettina Kresslein, die zwischen 1971 und 1976 an der
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe
bei Harry Kögler Malerei studierte, kann auf ein umfangreiches
Oeuvre blicken. Zunächst hatte sie sich der Zeichnung
verschrieben, bis sie sich in den 1990er Jahren wieder
verstärkt der Malerei zuwandte. Sie bleibt zwar dem Papier
treu, trägt aber nun die Acrylfarbe mit raschen Pinselzügen
auf die großformatigen Blätter auf.
Schon immer ist der Mensch ihr Thema – mit seinen
Eigenheiten, seinen Bedürfnissen, seiner Umwelt, wobei
die Darstellung mit der neuen Technik entschiedener wird.
Zwar hatte sie schon immer die Neigung , die charakteristischen
Eigenarten der Personen herauszuarbeiten, doch
aus den sanften, liebevollen Überzeichnungen der früheren
Schaffensperiode werden regelrecht karikierende Darstellungen,
die jedoch nie bissig oder v erletzend wirken.
Immer schaut die Künstlerin mit einer tiefen Sympathie,
gepaart mit leiser Ironie, auf ihre Mitmenschen.

Die neusten Arbeiten zeigen, wie sich Bettina Kresslein in
ihrem künstlerischen Werk konsequent weiterentwickelte.
Von einer malerisch angelegten Zeichnung, die auf genauer
Beobachtung und intuitiv interpretierender Wiedergabe
beruhte, gelangt sie zu einer sinnlichen, expressiven Bildsprache
von hohem gestalterischem Reiz.